die ultivmative therapie

an der sonnejpg
karl renz hat einmal die frage gestellt: "was ist die ultimative therapie?" - schweigen im raum - er: "das nichtfinden des patienten." klingt gut. klar, ohne patient kein leiden ... nur konnte ich mir darunter kaum etwas vorstellen. er musste es wissen, denn vor seinem erweckungserlebnis hat er unter heftigen migräneattacken gelitten. sie machten ihn arbeitsunfähig. - ich musste da noch etwas warten, einige jahre, bis ...
heute ging ich der limmat entlang. wie so häufig in letzter zeit fiel das denken dabei aus, spontan, vollständig und für längere zeit. es liess mich in ruhe. anstatt dessen leere und stille. da ging keiner mehr, nur ein organismus setzte fuss vor fuss. und ja: so etwas wie präsenz war da, die unbeteiligt, jedoch interessiert alles wahrnahm, das gehen, die umgebung, das atmen ... und ja: ganz von selbst vertiefte sich die atmung, wurde runder und weicher, als bekäme sie erst jetzt den ganzen raum, den sie braucht. das allerdings war neu. (die nächste frage lautet: was ist die ulitmative atemtherapie?)

so ging das eine weile. dann packte ein rechter hustenreiz den organismus, auch musste er niesen ... und tatsächlich: das spielte sich zwar im organismus ab, aber es war keiner mehr da, dem das passierte oder den es kümmerte. kein kommentar dazu wie kurz zuvor noch, kein klagen, keine beunruhigung, dauert die misere dieser husterei doch trotz oder wegen aller behandlungen jetzt schon über 6 monate. nein, der anfall kam und ging vorüber wie ein komet schnell über den nachthimmel fliegt und dann spurlos für immer verschwindet. (kleine ausnahme: das ganze war so ausserordentlich neu, dass es überhaupt auffiel, erinnert wird und jetzt beschrieben werden kann). und es ist nicht so, dass ich zu einem anderen zeitpunkt nicht weiterhin den bedürfnissen eines angeschlagenen körpers sorge tragen würde.

also: was ist die ultimative atemtherapie? die geschieht, wenn keine konzepte, lehren, theorien oder hemmungen mehr den organismus daran hindern so frei und in der art zu atmen, wie es die natur vorsieht - oder eben, wenn kein 'ich' mehr da ist, welches in irgendeinerweise einfluss nehmen will. das freilich kann man nirgends lernen. es fällt einem zu oder eben auch nicht.